Fotografien, Lambda-Prints, 2017 / 60 x 50 cm (23,6 x 19,7 in)
Serie 1-22, signierte, limitierte Edition / 30, © D.S.

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Fotografien / Photography Nr.
# 01 # 20 # 13 # 19 # 09 # 11 # 03 # 10 # 08 # 02 # 14 # 05 # 12




english


Was bedeuten die Fotografien? / What do the photographs mean?

Dikla Sterns Fotografien wirken von weitem, als wären darauf abstrakte Formen abgebildet, inhaltsleer und intransparentt zugleich. Teilweise sind Schatten deutlicher zu sehen als die fotografierten Objekte selbst. Dem ersten Blick des Betrachters eröffnet sich nicht sofort, wodurch diese Schatten entstehen und wie sie entstanden sind, ja, warum sie da sind..

Bei vielen Menschen erzeugen Dunkelheit und Schatten Ängste, reale, aber auch psychische, die uns in eine unheimliche Stimmung versetzen. Verstärkt wird diese Stimmung dadurch, dass die fotografierten Objekte überdimensional ausgestellt werden. Je näher wir an die Fotografien herantreten, desto detailreicher sind sie; Kleinigkeiten, die mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen wären, werden wahrnehmbar. Durch dieses Mehr an Erkennbaren wirken die Objekte zunächst noch stärker verfremdet.

Gerade weil diese Fotografien starke Erlebnisse auslösen, sind sie zunächst einmal hässlich – hässlich, so wie der Philosoph Vilém Flusser es verstanden hat – denn sie brechen mit den Konventionen, lassen in uns zuerst und unmittelbar verstörende oder ängstigende, auf jeden Fall aber beunruhigende Gefühle aufkommen. Uns Betrachtern passen die Fotografien nicht in unsere innere Ordnung hinein, unser Gedächtnis kann diesen neuen Eindrücken noch keinen gebührenden Platz einräumen. Erst wenn wir die Fotografien in Ruhe betrachten, dem Neuen Zeit lassen, können wir das Gesehene und das Gefühlte einordnen und ihm einen Sinn geben. Erst dann genießen wir die Fotografien als schöne. So wird durch die Gewöhnung aus dem Hässlichen etwas Schönes.

Wenn wir uns also etwas Zeit nehmen, nähertreten, hinschauen, dann sehen wir, dass Dikla Stern in ihrer aktuellen Arbeit in einer ganz eigenen Ästhetik einige alltägliche Gebrauchsgegenstände fotografiert hat. Ein Küchenmesser, einen Pfannenwender, einen Aufbewahrungsbehälter, Esswaren, einen Karton, eine Blechdose. Sie wurden in verschiedenen Aufsichten aufgenommen und dadurch entsteht für uns Betrachter der Eindruck von skurril verformten, eindrucksvollen Objekten, die häufig nur anhand ihrer Schatten erkennbar werden, identifizierbar sind.

Diese fotografierten Gegenstände bekommen wir heute alle als neue Waren in unserer universellen Lebenswirklichkeit, global auf dem Markt angeboten; das gilt für Nudeln und Quinoa aber auch für das Messer oder den Pfannenwender. Diese Waren sind aus Karton, Plastik, Glas, Metall, aus Werkstoffen, wie sie heute weltweit verwendet werden. Und selbst noch der Müll, zu dem diese Waren alle irgendwann werden, weil sie aufgebraucht oder unbrauchbar geworden sind, ist universell vorhanden. Indem Dikla Stern diese Gegenstände abbildet, schafft sie in ihren Fotografien eine Abstraktion der Warenwelt und kann ihren ganz subjektiven Dialog mit der Kamera in einer Weltsprache führen, die ja auch nur als abstrakte universell verstanden werden kann.

Allerdings bleibt Dikla Stern nicht bei der Darstellung abstrakter universeller Abfallwaren stehen. Sie fotografiert nicht einfach Abfall. Die geleerten und benutzten Warenhüllen oder mit Farbe bemalten und damit unbrauchbar gemachten Alltagsgegenstände und Lebensmittel, die normalerweise unbeachtet im Abfall landen, werden bearbeitet, verformt, verfremdet und neu verpackt. Manchmal sind diese Eingriffe sofort erkennbar, manchmal dauert es etwas länger, sie aufzuspüren. Hier wird noch einmal das Hässliche schön, aber erst durch die Bearbeitung der Objekte. Dadurch wird auch die abstrakte, universelle Sprache der Konsumgesellschaft in etwas Neues verwandelt. Denn wir sehen keine Readymades – die in dieser Ausstellung abgebildeten Waren aus dem Müll können für jeden einzelnen Betrachter schön werden, weil die Künstlerin den kreativen Akt der Auswahl vorgenommen und die vormals hässlichen Waren individuell bearbeitet und abgebildet hat. Das ist es auch, warum die Fotografien keine Harmonie vortäuschen, sondern etwas Utopisches haben, das zugleich kritisch ist. Sie zeigen uns die ‚Schöne Neue Welt’.


Dr. Anja Meyerrose


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Fotografie / Photography Nr.
# 18 # 05 # 06



- english -


From a distance Dikla Stern’s photographs seem to depict abstract forms, which are simultaneously opaque and devoid of content. At times, the shadows can be seen more clearly than the photographed objects themselves. A first glance does not immediately inform viewers what is creating these shadows and how they were created, or indeed, why they are there.

For many people darkness and shadows generate real, but also psychological, fears that place us in an uncanny state. This mood is intensified by the fact that the photographed objects are exhibited in oversized dimensions. The closer we move to the photographs, the richer they are in detail; little features that could not be identified at all with the naked eye become perceptible. This increase in recognizable elements initially seems to render the objects even more alien.

Precisely because these photographs stimulate strong experiences, they are initially ugly — in the sense of the philosopher Vilém Flusser — because they break with conventions, initially and directly stirring thoughts that are disturbing or frightening and, in any case, unsettling. For us viewers, the photographs do not fit into our inner order: Our memory is not yet able to assign these new impressions an appropriate place. Only when we pause and calmly consider the photographs, giving time to what is new, are we able to make sense of and give meaning to what we see and feel. Only then do we enjoy the photographs as beautiful. Thus, something ugly becomes beautiful through our getting used to it.

This means that if we take some time, if we move closer and look closely, then we will see that, in her recent work, Dikla Stern has photographed several everyday utensils in a highly distinctive aesthetic: a kitchen knife, a cooking spatula, a food container, foods, a box and a tin can. They have been recorded in various high-angled photographs: For us, as viewers, this creates the impression of bizarrely misshapen, remarkable objects that often become recognizable and identifiable only through their shadows.

Today, the photographed objects are offered to all of us as new products on the global market in our universal reality of life: This is true of noodles and quinoa, but also knives or spatulas. These products are made of cardboard, plastic, glass and metal in the manner these are used around the world today. And even the garbage — which all of these products will become at some point, because they will have been used up or become useless — is universally present. By reproducing these objects, Dikla Stern generates an abstraction of the world of consumer products in her photographs and is able to transfer her entirely subjective dialogue with the camera into a world language, which can ultimately also be understood only in terms of an abstract universal.

However, Dikla Stern does not stop at the depiction of abstract-universal garbage products. She does not simply photograph garbage. She has reworked, reshaped, defamiliarized and repacked what would normally be tossed in the garbage without a second thought: emptied and used-up product containers and everyday objects and food that have been painted on and thus rendered useless. Sometimes these interventions are immediately recognizable, and sometimes it takes somewhat longer to track them down. Here the ugly once again becomes beautiful, but only through the objects’ reworking. In this way the abstract, universal language of consumer society is also transformed into something new. What we see are not ready-mades: The products from the garbage reproduced in this exhibition are able to become beautiful for each individual viewer because the artist has carried out the creative act of selection and individually reworked and photographed the formerly ugly products. This is also why the images do not pretend to any harmony, but instead have a utopian quality that is simultaneously critical. They show us the “Brave New World.”

Dr. Anja Meyerrose